L e s e r b r i e f
Der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbands Franz Kückmann plädiert in dem Artikel: „Zukunft liegt in der Vergrößerung“ vom 22.1. für ein weiter so bei der Entwicklung unserer Landwirtschaft. Er glaubt an den Weltmarkt. Er glaubt an noch mehr Hähnchenmast und Schweinezucht. Und tatsächlich scheinen sich die Viehbestände im Kreis Coesfeld derzeit zu verdoppeln. Eine hohe Zahl von Stall-Neubauten zeugen davon.
Unter der Förderung seines Bauernverbandes entwickelt sich die bäuerliche Tierhaltung zur industriellen Fleischproduktion und der normale bäuerliche Betrieb bleibt auf der Strecke. Das alte bäuerliche Privileg, im Außenbereich bauen zu können, wird von diesen Industrieanlagen ausgehöhlt. Deshalb treten Bündnis90/Die Grünen dafür ein, dieses Privileg nur noch bäuerlich wirtschaftenden Landwirten zuzuerkennen, nicht aber der Agroindustrie. - Die aktuelle Verdoppelung des Schweine- und Legehennenbestandes im Kreis Coesfeld wird aber auch für uns Verbraucher und für unsere Umwelt nicht folgenlos bleiben. Allein die starke Nitratverseuchung unseres Grundwassers zeigt deutlich, dass die Grenzen des Wachstums an manchen Stellen bereits jetzt überschritten sind. Angesichts dieser Tatsache ist zu fragen, weshalb der Kreis Coesfeld unvermindert neue Stallbauten genehmigt.
Kückmann beklagt in demselben Artikel, dass Leute, die weniger mit Landwirtschaft zu tun haben, „glauben, dass die Außenbereiche noch zu ihren Wohnzimmern gehören“. Er baut Fronten auf; ärgerliche Fronten. Trotzdem Chapeau: Der Mann hat uns Grüne zum Teil verstanden. Wir Havixbecker haben tatsächlich keine andere Wohnung als diese Erde an den Baumbergen. Das ist unsere gute Stube. Wir Grünen wissen das und engagieren uns weiterhin mit engagierten Landwirten, Waldbauern und Verbrauchern für den Erhalt unserer Böden, unseres Wassers, unserer Luft und unserer Natur. Sie sind unsere Lebensgrundlage. Die unkritische Marktgläubigkeit des landwirtschaftlichen Kreisverbandes halten wir angesichts der immensen gesellschaftlichen Verantwortung, die die Landwirtschaft zu tragen hat, für fatal. Mit dieser Verantwortung dürfen wir DorfbewohnerInnen die Landwirte nicht im Regen stehen lassen.
Bäuerliches Wirtschaften fernab aller Romantik tut Not. Wir wollen eine nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft, die zur Lösung der Probleme unserer Zeit beiträgt: dem Klimaschutz, dem Erhalt gesunder Nahrung und der Natur. In diese gesellschaftlichen Leistungen sollen nach bündnisgrüner Auffassung die Subventionen für Landwirte fließen und nicht in den Export. So trägt das eingesetzte Geld für die Region Früchte. Bisher schon leisten unsere Landwirte Einiges für das Gemeinwohl. Das wollen wir stärken und honorieren. - Der Agrarweltmarkt ist dagegen auf Billigstpreise ausgerichtet und unkalkulierbar wie die Börse. In diesem Preiskarussell, in dem letztlich der billigste Anbieter gewinnt, können unsere Bauern nur verlieren. Wir setzen dagegen auf regionale Wertschöpfungsketten, mit dem Ziel, dass Verbraucher und Landwirte gemeinsam unsere bäuerliche Kulturlandschaft erhalten. Mehr dazu unter www.gruene-havixbeck.de
Jutta Bergmoser, Sprecherin des Ortsverbandes Bündnis90/Die Grünen Havixbeck
Richard Dammann, Sprecher Bündnis90/Die Grünen im Kreis Coesfeld
Norbert Vogelpohl, Senden; Norwich Rüße, Steinfurt (Landtagskandidaten Bündnis90/Die Grünen) |