Wo finden sich im Kreis Coesfeld noch schöne, gepflegte und ökologisch wertvolle Streuobstwiesen?
Welche WiesenbesitzerInnen erhalten langfristig alte Obstwiesen oder bepflanzen neue Flächen mit hochstämmigen Obstbäumen. Wer leistet Außergewöhnliches, um diese immer seltener werdenden Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu erhalten?
Der Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen wird nach der ersten Verleihung eines Artenschutzpreises für hohe Brutpaarvorkommen von Rauch- und Mehlschwalben in diesem Jahr einen Biotopschutzpreis ausloben. Mit der Wahl der Obstwiesen wollen die Grünen die Aufmerksamkeit der Bürgerinnen und Bürger auf diesen immer seltener werdenden und gefährdeten Biotoptyp lenken. Sind doch Streuobstbestände lebende Zeugnisse traditionellen ländlichen Kulturgutes.
Über Jahrhunderte hinweg war das Landschaftsbild geprägt von hochstämmigen Obstbäumen auf Wiesen, Weiden, Äckern, als Baumreihen und Alleen. Als grüner Gürtel umschlossen sie Ortschaften und bildeten einen harmonischen Übergang vom bebauten Bereich in die freie Feldflur. Früher wurden die Obstwiesen im Münsterland als „Appelhöfe“ oft gleichzeitig als Kälber- und Schweineweiden genutzt und stellten überall einen festen Bestandteil der Bauernhöfe dar.
Streuobstwiesen gehören auf Grund ihrer Strukturvielfalt zu den artenreichsten und wertvollsten Lebensräumen Mitteleuropas. Durch das Fehlen einer intensiven Nutzung können sich hier bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten auf verschiedenen Kleinlebensräumen ungestört entwickeln. Dazu gehören auch gefährdete Arten, die auf der Roten Liste stehen.
Streuobstflächen verbinden die unterschiedlichsten Lebensräume miteinander und sind somit wichtige Teile des Biotopverbundsystems. Flächenhafte Streuobstwiesen stellen eine in Mitteleuropa einmalige Vegetationsstruktur dar, die Baumsavanne. Für viele Menschen sind neben dem Umwelt- und Naturschutzgedanken auch Gesichtspunkte der Landschaftsästhetik und Landeskultur maßgeblich, wenn sie sich für den Erhalt von Streuobstwiesen einsetzen. Streuobstlandschaften wie z.B. das Stevertal sind Erholungsräume, die besonders von der Stadtbevölkerung gerne aufgesucht werden Mit der Vielfalt des Landschaftsbildes ist die Erholungswirkung auf den Menschen eng verknüpft. Ein Teil ihrer erholsamen Wirkung beruht auf dem ausgleichenden Einfluß auf das örtliche Klima. Die vom Schatten der Bäume ausgehende „Wohlfahrtswirkung“ist vor allem an heißen Sommertagen spürbar.
In den letzten 50 Jahren sind auch im Kreis Coesfeld die Streuobstbestände um 70-75 Prozent geschrumpft. Sie fielen Rodungen, ausufernder Bebauung, Flurbereinigung, Umstrukturierung in der Landwirtschaft, dem Straßenbau und Stürmen wie letzt jährig dem „Kyrill“ zum Opfer.
Da Streuobstwiesen ein Teil unserer Kulturlandschaft sind, bedürfen sie einer regelmäßigen Pflege, damit ihr ökologischer Wert erhalten bleibt. Die Bäume müssen regelmäßig geschnitten und vor Verbiss geschützt werden. Besonders wichtig ist eine ausreichende Nachpflanzung von Jungbäumen, welche leider vielerorts unterbleibt.
Nach Jahren von auffälligem Desinteresse nimmt in neuerer Zeit die Wertschätzung von auf Streuobstwiesen geerntetem Obst wieder deutlich zu. Die alten wohlschmeckenden Obstsorten, die ohne Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln auskommen, bieten heute schon vielen Menschen eine willkommene Abwechselung zum üblichen Einheitssortiment des Plantagenanbaues. Wenn es gelingt die Wertschätzung und Nachfrage nach Streuobst zu erhöhen, dann kann vielleicht ein weiteres Schrumpfen der Streuobstbestände verhindert werden. Diese Zusammenhänge wollen die Grünen den Menschen ins Bewusstsein rufen. Jeder kann etwas für den Erhalt des Biotops Streuobstwiese tun.
Mit einem Preisgeld von 500 EURO sollen BesitzerInnen von Streuobstwiesen belohnt werden. Besonders gute Chancen auf Auszeichnung haben Obstwiesen, die sich durch besondere Größe, Pflege, Alter, Sortenvielfalt, Struktur- und Artenreichtum, aber auch durch sinnvolle Verwertung des Obstes auszeichnen.
Mitmachen und melden können sich alle interessierten BesitzerInnen, deren Obstwiesen zumindest einige der genannten Kriterien erfüllen. Im Laufe des Sommers und Herbstes werden alle gemeldeten Wiesen von Thomas Zimmermann, Naturförderstation, und Wilhelm Kraneburg, Naturschutzbund, in Augenschein genommen. Neben einer Bewertung kann auch fachkundiger Rat zu allen sich stellenden Fragen rund um die Streuobstwiesen in Anspruch genommen werden.
Die Grünen behalten sich vor, das Preisgeld auf mehrere BewerberInnen aufzuteilen.
Meldungen können an Wilhelm Kraneburg, Tel. (02536 / 495) oder per E-Mail unter wilhelm@kraneburg.de übermittelt werden. |