„Barbara’s Schatten“:
Praktikum im Düsseldorfer Landtag – ein Erfahrungsbericht
6.30 Uhr am Montagmorgen. Ich mache mich auf den Weg in Richtung Bahnhof Appelhülsen und hoffe, dass der Zug sich nicht verspätet. Eine neue, spannende Erfahrung wartet auf mich, deshalb überlagert meine Aufregung die durchaus vorhandene Müdigkeit. Ich werde als „Schatten“ von Barbara Steffens vier Tage (5. - 8. Oktober) ein „Praktikum“ im Landtag machen. Barbara Steffens ist als Sprecherin für Arbeitsmarkt-, Gesundheits-, Sozial- und Frauenpolitik für mich eine wichtige Ansprechpartnerin. Da das Land häufig Rahmenbedingungen vorgibt, die auf kommunaler Ebene umgesetzt werden müssen, ist ein Austausch mit den Abgeordneten des Landtags von großer Bedeutung.
Die Fahrt dauert: Einmal Umsteigen in Essen, wo der ICE (natürlich!) zehn Minuten Verspätung hat, dann vom Düsseldorfer Hauptbahnhof mit der Straßenbahn weiter zum Ziel – dem Landtag NRW. Erst um kurz vor 9 Uhr melde ich mich an der Pforte an. „Dagmar Klose, ich mache in den nächsten Tagen ein Praktikum bei Barbara Steffens“, erkläre ich dem freundlichen Herrn am Empfang. Er weiß schon Bescheid und nach einem kurzen Anruf holt mich Barbara’s wissenschaftliche Mitarbeiterin mit einem aufmunternden Lächeln an der Pforte ab. Edeltraud Busalt-Schröder, von Barbara liebevoll „Ede“ genannt, führt mich eine gewundene Treppe hoch und dann durch einige Flure zum Trakt der Grünen Landtagsfraktion. Das Büro, das sie sich mit Barbara teilt, ist voll mit Aktenordnern, es stapeln sich Einladungen, Informationsmaterial, Anträge, kleine und große Anfragen. „Hat Barbara das alles gelesen?“, wundere ich mich und vergleiche die kniehohen Stapel mit meinem eigenen Arbeitsplatz. Zugegebenermaßen sieht es bei mir nicht viel anders aus - nur der Umfang unterscheidet sich. Nachdem Edeltraud einen Becher dampfenden Tee vor mir abgestellt hat, kommt Barbara durch die Tür – ein wenig abgehetzt, denn der erste Termin steht schon auf dem Programm: gemeinsame Vorstands- und Fraktionssitzung. Leider darf ich erstmal nicht mit, weil es interne Personalangelegenheiten zu besprechen gibt. Edeltraud nutzt die Zeit für eine persönliche Führung durch das Landtagsgebäude. Ich bin beeindruckt – was für ein Riesen-Verwaltungsapparat! Mir werden die Kollegen aus der Pressestelle der Grünen, sowie andere wissenschaftliche Mitarbeiter und Praktikanten vorgestellt. Die Namen kann ich mir natürlich nicht alle merken. Dann darf ich in die Fraktionssitzung. Schüchternheit gehört eigentlich nicht zu meinen herausragenden Persönlichkeitsmerkmalen, aber in Anbetracht der hohen Promi-Dichte fühle ich mich – als „kleine“ Kreistagsabgeordnete – doch ziemlich unscheinbar. Zum Glück erwartet niemand einen schlauen Wortbeitrag. Als „Schatten“ darf ich in meiner Beobachtungsposition bleiben. Die Themen auf der Tagesordnung sind spannend: Es geht um die „Affäre Staatskanzlei“, die Vorbereitung der Plenarsitzungen, die am Mittwoch und Donnerstag stattfinden, und die kommunalpolitische Situation in NRW.

Am Dienstag bin ich schon deutlich entspannter. Ich weiß, was mich erwartet. Barbara, Edeltraud und auch die anderen Grünen, die ich bisher getroffen habe, sind locker, zuvorkommend und sehr nett zu mir. Ich gehe mit in den Arbeitskreis II, dem neben Barbara auch die Abgeordneten Andrea Asch, Sigrid Beer, Monika Düker und Sylvia Löhrmann angehören. Themen sind unter anderem Barrierefreiheit, eine Große Anfrage zum Thema „Aufstieg durch Bildung“ und Heimkinder. Nach dem Arbeitskreis steht eine weitere Fraktionssitzung auf dem Programm, dann darf ich an einem Treffen zwischen Barbara und einem Vertreter der Ärztekammer teilnehmen.

Mittwoch und Donnerstag stehen im Zeichen der Plenarsitzungen. Nach der „Aktuellen Stunde“, die die Plenarwoche einläutet (Thema: „Landesregierung ohne Plan: Genehmigung Datteln rechtswidrig erteilt, Genehmigung Ochtrup rechtswidrig versagt.“), höre ich eine Debatte zur Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln. Barbara spricht schließlich zu „Konkreten Hilfen für Auszubildende in Insolvenzunternehmen“. Ihre Vorbereitung auf die Rede habe ich „schattenmäßig“ verfolgt: Auf den Antrag hat sie einige Stichworte geschrieben - das war’s. Im Gegensatz zu anderen Abgeordneten, die eine komplette Rede schreiben und mehr oder weniger „vorlesen“, hat Barbara die bewundernswerte Fähigkeit, aus wenigen Schlagworten eine komplette Rede frei vorzutragen. Mir wird klar, warum Barbara und ihre Fraktionskollegen in den Landtag gewählt worden sind – und wie viel ich noch lernen muss. Der Donnerstag gibt mir Gelegenheit, bei der Obfrauen-Runde dabei zu sein und weitere Debatten im Plenum zu verfolgen. Dann ist mein „Schattendasein“ beendet. Viel zu schnell. Doch es ist kein Abschied für immer. Denn Barbara Steffens verspricht, mich jederzeit bei Fragen und Problemen, die die Umsetzung der Landesvorgaben in der Kommune mit sich bringen, zu unterstützen. Ich setze mich zufrieden in die S-Bahn Richtung Bahnhof – und freue mich auf die erste Sitzung des neu gewählten Kreistages.
Übrigens: Die Möglichkeit, einen oder mehrere Tage lang die Arbeit eines Landtagsabgeordneten zu begleiten, sollte man sich als Kommunalpolitiker nicht entgehen lassen. Wer daran Interesse hat, sollte nicht zögern, eine Anfrage zu stellen. Ich helfe hierbei auch gern weiter. |